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Komm.Rat. Wolfgang K. GÖLTL, Obmann des Fachverbandes Finanzdienstleister in WKO

"Anlegerwissen ist Konsumentenschutz"

Die Anforderungen an das Finanzwissen von Konsumenten sind aufgrund der demographischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen gestiegen: Durch die Reform der Sozialsysteme wird jedem von uns verstärkt Eigenverantwortung für seine Pensionsvorsorge sowie die Absicherung im Fall von Krankheit, Berufsunfähigkeit, Invalidität, Arbeitslosigkeit oder Pflegebedürftigkeit – in Ergänzung zu staatlichen Vorsorgemodellen – übertragen. Zur gleichen Zeit nimmt die Angebotsvielfalt und Komplexität der Finanzinstrumente zu. Wie zahlreiche Studien zeigen, halten die Finanzmarkt-Kenntnisse der Österreicher mit dieser Marktentwicklung nicht Schritt.

Finanzwissen als wichtiger Schutz gegen Betrüger
In Österreich hat die Sensibilisierung für die Notwendigkeit privater Vorsorge erst vor nicht allzu langer Zeit eingesetzt. Vor diesem Hintergrund ist auch die – im europäischen Vergleich – starke Tendenz der Bevölkerung zu konservativen Finanzinstrumenten wie Sparbuch und Bausparen zu verstehen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfordern jedoch neue Finanzstrategien, für die sehr häufig das Basiswissen fehlt. Mangelnde Finanzkenntnisse verleiten Konsumenten in vielen Fällen dazu, sich unkritisch auf selbst ernannte Finanzberater zu verlassen, ohne deren Berufsqualifikation bzw. -berechtigung zu hinterfragen – ein leichtes Spiel für Betrüger! Betrugsfälle und Finanzskandale erschütterten wiederum das Vertrauen in alternative Vorsorgeprodukte und führen zur weiteren Verunsicherung – erforderliche Vorsorgeentscheidungen werden dadurch in vielen Fällen zu lange hinausgezögert.

Präzisere Finanzplanung
Anlegerwissen hat somit eine hohe sozialpolitische Bedeutung! Wer seine eigenen finanziellen Bedürfnisse und Ziele kennt sowie die wirtschaftlichen Zusammenhänge ebenso wie die Chancen und Risiken der am Markt angebotenen Produkttypen einschätzen kann, ist gegen betrügerische Lockangebote weitgehend immun. Finanzkompetenz trägt somit zu einer Verminderung von Anlagebetrug und damit auch von Anlegerentschädigungsfällen bei.

Große Bedeutung haben finanzielle Grundkenntnisse der Konsumenten zudem in Beratungsgesprächen: Je konkreter ein Kunde seine finanziellen Pläne definieren und kritische Fragen zu Angeboten stellen kann, desto präziser kann sein Berater das Finanzportfolio auf die individuellen Bedürfnisse und Ziele zuschneiden. Eine solide Basis an Finanzwissen seines Kunden ermöglicht dem Berater darüber hinaus, je nach Anforderung ebenfalls komplexere Produkte mit höheren Renditechancen in das Portfolio miteinzubeziehen.

Fachverband Finanzdienstleister setzt Impulse
Der Fachverband Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Österreich engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Konsumentenschutz durch Lobbyingarbeit für die Förderung des Finanzwissens in Österreich. In meiner Funktion als Obmann der Wiener Fachgruppe initiierte ich eine Ombudsstelle für Konsumentenanfragen und -beschwerden sowie als Präsident der Fachakademie für Finanzdienstleister Journalistenseminare und in Kooperation mit dem Verein für Konsumenteninformation Verbraucherseminare. Mit intensiver Pressearbeit und praktischen Checklisten für Konsumenten wie u.a. zu Anlageprodukten, zur Veranlagung in Gold, zur persönlichen Krisenabsicherung und zur Konvertierung von Fremdwährungskrediten – abrufbar unter www.wko.at/finanzdienstleister – leistet der Fachverband laufend wesentliche Aufklärungsarbeit.

Zu den Maßnahmen des Fachverbands zählt weiters die Unterstützung von ambitionierten Projekten für ein verbessertes Wissensniveau im Finanzbereich. Zu diesen zählt die „Wissens-Roadshow“, der wir viel Erfolg und Breitenwirkung wünschen!